video thumbnail for '16 Millionen Euro – pro Tag! | Wer wirklich an den hohen Spritpreisen verdient (steuertalk 13)'

Spritpreis bei 2,30 €: Wer wirklich daran verdient und warum der Staat kräftig mitkassiert

Der Spritpreis ist für viele gerade kein Randthema mehr, sondern etwas, das man bei jeder Fahrt ganz direkt im Portemonnaie merkt. Wenn der Liter Benzin bei rund 2,30 € liegt, stellt sich irgendwann automatisch die Frage: Wer bekommt davon eigentlich was?

Link: Datenschutzerklärung von YouTube

Genau diese Frage lohnt sich. Denn beim Spritpreis geht es eben nicht nur um Rohöl, Krieg, Krise oder Tankstellen. Ein erheblicher Teil landet ganz schlicht beim Staat. Und wenn man das einmal sauber auseinanderrechnet, wird schnell klar, warum Transparenz hier wichtiger wäre als jede politische Nebelkerze.

Wie setzt sich der Spritpreis überhaupt zusammen?

Wenn wir über den Spritpreis sprechen, dann reden wir nicht über einen einzigen Kostenblock. Der Preis an der Zapfsäule besteht aus mehreren Bausteinen.

  • Energiesteuer, früher Mineralölsteuer genannt
  • Mehrwertsteuer
  • CO2-Preis
  • Rohölpreis
  • Verarbeitung in der Raffinerie
  • Transport, Logistik und Vertrieb

Viele vermuten spontan, dass beim Spritpreis vor allem der Rohölpreis alles dominiert. Tatsächlich ist das Bild deutlich differenzierter. Der Steueranteil ist enorm und macht den größten Brocken aus.

Zwei Personen sprechen im Podcast-Studio an zwei Mikrofonen über den Spritpreis

Die prozentuale Aufteilung beim Spritpreis

Rechnet man den Spritpreis einmal auf 100 Prozent herunter, ergibt sich folgende Zusammensetzung:

  • 28 % Energiesteuer
  • 5 % CO2-Preis
  • 16 % Mehrwertsteuer
  • 26 % Rohöl
  • 25 % Verarbeitung und Vertrieb

Das Entscheidende daran: 59 % des Spritpreises fließen an den Staat. Also deutlich mehr als die Hälfte.

Bei einem Literpreis von 2,30 € bedeutet das nicht nur ein bisschen Steueranteil, sondern einen massiven staatlichen Anteil am Endpreis. Und genau das wird in der öffentlichen Diskussion oft erstaunlich unklar kommuniziert.

Warum der Staat an steigenden Spritpreisen automatisch mitverdient

Hier wird es besonders spannend. Denn nicht jede Komponente des Spritpreises steigt automatisch mit. Die Energiesteuer ist in diesem Zusammenhang konstant. Auch der CO2-Preis wurde im besprochenen Vergleich nicht als der eigentliche Treiber des aktuellen Preissprungs herausgearbeitet.

Wenn der Spritpreis also von durchschnittlich 1,60 € auf 2,30 € steigt, dann ist nicht alles daran neue Steuerpolitik. Aber: Die Mehrwertsteuer steigt mit dem Preis mit.

Und genau da liegt der Punkt, den viele zwar irgendwie ahnen, aber selten konkret vorgerechnet bekommen: Wenn der Preis an der Zapfsäule steigt, verdient der Staat allein über die Mehrwertsteuer zusätzlich mit.

Im konkreten Beispiel liegt dieser zusätzliche Mehrwertsteueranteil bei rund 11 Cent pro Liter.

Podcaster am Tisch mit Mikrofonen im Studio beim Thema Spritpreis und Mehrwertsteuer

Was ist beim Spritpreis tatsächlich teurer geworden?

Wenn man die Bestandteile des Spritpreises einzeln betrachtet, dann lässt sich der Preisanstieg sauberer einordnen.

Die beiden Bestandteile, die in der Rechnung zunächst ausscheiden, sind:

  • Energiesteuer
  • CO2-Preis

Beide wurden in dieser Betrachtung nicht als Ursache der aktuellen Erhöhung identifiziert. Beim Rohöl dagegen zeigt sich ein deutlicher Anstieg. Im Vergleichszeitraum wurde hier eine Steigerung von ungefähr 29 % angesetzt, also knapp ein Drittel.

Dazu kommen natürlich noch Kosten für Verarbeitung, Transport, Logistik und Vertrieb. Aber der wichtige Punkt bleibt: Ein höherer Spritpreis vergrößert automatisch auch die Mehrwertsteuerbasis. Und damit steigen die Einnahmen des Staates mit jedem teureren Liter.

Kurzer Exkurs: Warum Diesel früher günstiger war

Lange war Diesel beim Spritpreis der vermeintlich angenehmere Griff an der Tankstelle. Das lag vor allem an einer niedrigeren Energiesteuer auf Diesel. Hinzu kam über Jahre ein politischer und wirtschaftlicher Rahmen, der Diesel begünstigt hat.

Inzwischen ist diese gefühlte Gewissheit aber weg. Viele kennen es aus dem Alltag: Diesel ist nicht mehr automatisch günstiger als Benzin. Der alte Vorteil beim Preis ist also keineswegs garantiert. Wer heute Diesel fährt, freut sich oft eher noch über den Verbrauch als über den Literpreis.

CO2-Zertifikate: Handel mit Luft, ganz offiziell

Der CO2-Preis ist seit 2021 ein zusätzlicher Bestandteil im Spritpreis. Und sobald man sich damit näher beschäftigt, kommt man schnell an ein Thema, das viele zunächst ziemlich kurios finden: den Handel mit CO2-Zertifikaten.

Vereinfacht gesagt funktioniert die Logik so:

  • Wer wenig oder kein CO2 verursacht, kann daraus einen handelbaren Vorteil ableiten.
  • Wer viel CO2 verursacht, kann entsprechende Zertifikate kaufen.
  • Damit lassen sich eigene Emissionsbilanzen rechnerisch verbessern.

Praktisch bedeutet das zum Beispiel bei E-Autos: Wer elektrisch fährt, kann über bestimmte Portale Zertifikate verkaufen. Diese werden dann von Unternehmen oder Marktteilnehmern genutzt, die hohe CO2-Emissionen ausgleichen wollen.

Man kann das nüchtern als politisches Lenkungsinstrument beschreiben. Man kann aber auch trocken sagen: Hier wird offiziell mit Luft gehandelt. Der Gedanke wirkt erstmal schräg, ist aber inzwischen fester Bestandteil des Systems.

Podcast-Gespräch: Mann mit Gestik und Frau gegenüber an Mikrofonen im Studio

Die eigentliche Wucht: Was der höhere Spritpreis Deutschlandweit bedeutet

11 Cent zusätzliche Mehrwertsteuer pro Liter klingen für sich genommen noch nach keiner weltbewegenden Größe. Die Dimension versteht man erst, wenn man den Verbrauch in Deutschland danebenlegt.

Die zugrunde gelegten Jahresmengen:

  • 18 Milliarden Liter Benzin
  • 53 Milliarden Liter Diesel

Allein beim Benzin ergibt das bei 11 Cent zusätzlicher Steuer pro Liter:

  • 1,98 Milliarden Euro zusätzliche Staatseinnahmen pro Jahr
  • entspricht rund 5,4 Millionen Euro pro Tag

Beim Diesel kommen noch einmal rund 6 Milliarden Euro pro Jahr hinzu.

Zusammengerechnet landet man damit bei einer Zahl, die hängen bleibt: rund 16 Millionen Euro pro Tag an zusätzlichen Einnahmen durch die Mehrwertsteuer auf den gestiegenen Benzin- und Dieselpreis.

Und genau deshalb ist die Frage berechtigt, wer am hohen Spritpreis eigentlich verdient. Die Antwort lautet jedenfalls nicht nur: Ölkonzerne, Raffinerien oder Tankstellen. Der Staat verdient sehr deutlich mit.

Podcast im Studio mit zwei Personen an Mikrofonen zur Erklärung von Spritpreis und Staatseinnahmen

Was bedeutet der höhere Spritpreis für den einzelnen Autofahrer?

Große Milliardenbeträge wirken schnell abstrakt. Deshalb hilft ein typisches Alltagsbeispiel.

Angenommen wird:

  • 15.000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr
  • 7 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer

Das ergibt einen Jahresverbrauch von:

1.050 Liter Kraftstoff

Wenn man darauf den gestiegenen Spritpreis ansetzt, entstehen für den durchschnittlichen Autofahrer 735 € Mehrkosten pro Jahr.

Davon entfallen wiederum 115,50 € pro Jahr auf zusätzliche staatliche Einnahmen.

Man kann jetzt natürlich sagen: 735 € im Jahr, das ist doch nicht die Welt. Andere werden sagen: Doch, natürlich ist das viel Geld. Und beides zeigt eigentlich nur, worauf es bei solchen Zahlen ankommt: Perspektive und Transparenz.

Als Einzelbetrag klingt es überschaubarer. Hochgerechnet auf Millionen Autofahrer wird daraus ein gewaltiges Volumen.

Das eigentliche Problem ist nicht nur der Spritpreis, sondern die fehlende Transparenz

Steuern an sich sind nicht das Problem. Ein Staat finanziert damit Infrastruktur, Sicherheit, Bildung und viele andere Dinge. Daran gibt es grundsätzlich nichts Anrüchiges.

Problematisch wird es dann, wenn über den Spritpreis gesprochen wird, ohne klar offenzulegen, wie viel davon tatsächlich wohin fließt.

Gerade bei komplexen Themen hilft oft schon ein simples Aufdröseln. Das kennen wir aus dem Steueralltag sehr gut. Sobald man Zahlen sauber erklärt, entsteht meist mehr Verständnis und auch mehr Akzeptanz.

Wer dagegen nur mit Schlagworten oder vermeintlichen Entlastungspaketen arbeitet, ohne die Mechanik offenzulegen, sorgt eher für Frust. Beim Spritpreis wäre deshalb vor allem eines wünschenswert: ehrliche und nachvollziehbare Kommunikation.

Und gibt es auch eine kleine Lösung?

Eine vollständige Zauberformel gegen den hohen Spritpreis gibt es natürlich nicht. Aber es gibt zumindest für einen Teil der Bevölkerung eine kleine, sehr kleine Lösung.

Der Ansatzpunkt liegt im Energiesteuergesetz. Darüber kann in bestimmten Fällen ein Teil zurückgeholt werden. Das betrifft allerdings nicht pauschal alle und ist eher eine gezielte Entlastungsmöglichkeit für bestimmte Konstellationen.

Die Kernbotschaft bleibt deshalb: Die ganz große Lösung ersetzt das nicht. Aber wer die Voraussetzungen erfüllt, sollte sich das Thema genauer anschauen.

Fazit zum Spritpreis: Mehr Ehrlichkeit würde schon helfen

Der Spritpreis von 2,30 € pro Liter ist kein undurchschaubares Naturereignis. Er lässt sich aufteilen, erklären und einordnen.

Die wichtigsten Punkte sind dabei:

  • 59 % des Spritpreises gehen an den Staat
  • Steigende Preise erhöhen automatisch die Mehrwertsteuereinnahmen
  • Der zusätzliche Steueranteil liegt bei rund 11 Cent pro Liter
  • Deutschlandweit ergibt das rund 16 Millionen Euro pro Tag
  • Für einen typischen Autofahrer summieren sich die Mehrkosten auf etwa 735 € pro Jahr

Man muss nicht jede politische Bewertung teilen, um an dieser Stelle einen klaren Wunsch zu haben: mehr Transparenz. Denn wer versteht, wie sich der Spritpreis zusammensetzt, kann die Debatte auch deutlich realistischer führen.

FAQ zum Spritpreis

Wie hoch ist der staatliche Anteil am Spritpreis?

Nach der hier aufgeschlüsselten Berechnung fließen rund 59 % des Spritpreises an den Staat. Darin enthalten sind Energiesteuer, CO2-Preis und Mehrwertsteuer.

Warum verdient der Staat an einem steigenden Spritpreis automatisch mit?

Weil auf den Endpreis Mehrwertsteuer erhoben wird. Steigt der Spritpreis, steigt damit auch die Bemessungsgrundlage für die Mehrwertsteuer. Dadurch erhöhen sich die staatlichen Einnahmen automatisch.

Wie setzt sich der Spritpreis prozentual zusammen?

Die genannte Aufteilung lautet: 28 % Energiesteuer, 5 % CO2-Preis, 16 % Mehrwertsteuer, 26 % Rohöl sowie 25 % Verarbeitung und Vertrieb.

Warum war Diesel früher meist günstiger als Benzin?

Ein wesentlicher Grund war die niedrigere Energiesteuer auf Diesel. Dieser steuerliche Vorteil hat Diesel lange günstiger erscheinen lassen. Inzwischen ist dieser Preisvorteil aber nicht mehr verlässlich vorhanden.

Was bedeuten die gestiegenen Spritpreise für den durchschnittlichen Autofahrer?

Bei 15.000 Kilometern Fahrleistung im Jahr und einem Verbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometer ergeben sich rund 735 € zusätzliche Kraftstoffkosten pro Jahr. Davon entfallen etwa 115,50 € auf zusätzliche staatliche Einnahmen.

Was hat der CO2-Handel mit dem Spritpreis zu tun?

Der CO2-Preis ist ein Bestandteil des Spritpreises. Zusätzlich existiert ein Handel mit CO2-Zertifikaten. Dabei können emissionsarme oder emissionsfreie Antriebe, etwa bei E-Autos, über Zertifikate wirtschaftlich verwertet werden.

Gibt es eine Möglichkeit, sich einen Teil der Kosten zurückzuholen?

Für bestimmte Fälle kann das Energiesteuergesetz eine kleine Entlastungsmöglichkeit bieten. Das gilt aber nicht pauschal für alle, sondern nur für bestimmte Gruppen oder Konstellationen.


Fragen oder Unterstützung? Wir schauen uns eure Fälle an – von Anmeldung über Buchführung/Erklärungen bis zur Aufarbeitung vergangener Jahre. Mehr Infos & Kontakt: www.axelbahr.de

Impressum/Haftungshinweis: Dieser Beitrag stellt keine Rechts‑ oder Steuerberatung im Einzelfall dar und ersetzt diese nicht. Alle Angaben wurden mit größter Sorgfalt erstellt, erfolgen jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität. Eine individuelle Beratung durch qualifizierte Berater:innen wird dringend empfohlen.

Externe Links: Für Inhalte verlinkter externer Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Zum Zeitpunkt der Verlinkung waren keine Rechtsverstöße erkennbar. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden entsprechende Links umgehend entfernt.

Urheberrecht: Text und Struktur dieses Dokuments sind urheberrechtlich geschützt. Die Vervielfältigung oder Weitergabe – auch auszugsweise – ist nur mit Zustimmung gestattet.

Kanzlei Gevelsberg

Mittelstraße 5
58285 Gevelsberg
Tel.: +49 2332 66 60 20
Fax: +49 2332 66 60 21 0
E-Mail: info@axelbahr.de

Niederlassung Norderney

Gorch-Fock-Weg 18
26548 Norderney
Tel.: +49 2332 66 60 20
Fax: +49 2332 66 60 21 0
E-Mail: info@axelbahr.de

Bürozeiten

Montag – Donnerstag:
08:00 – 13:00 Uhr
14:00 – 17:00 Uhr

Außerhalb unserer Bürozeiten stehen wir Ihnen gerne auch nach Terminabsprache zur Verfügung.

Digitale Steuerexperten
Digitale Kanzlei 2026
Digitale Kanzlei 2025
Digitale Kanzlei 2025
Digitale Kanzlei 2025
Digitale Kanzlei 2024
Digitale Kanzlei 2024
digitale-kanzlei-2023
Digitale Kanzlei 2023
Digitale Kanzlei 2022
Digitale Kanzlei 2021
Digitale Kanzlei 2020
Digitale Kanzlei 2019