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Wie viel verdient der Staat wirklich an Steuern? Und wer bekommt wie viel vom Steuerkuchen?

Die Steuereinnahmen in Deutschland lagen 2024 bei rund 861 Milliarden Euro. Das ist eine gewaltige Summe. Spannend wird es aber erst, wenn man genauer hinschaut: Aus welchen Steuerarten kommen diese Steuereinnahmen eigentlich? Welche Abgaben tragen den größten Teil? Und wer bekommt am Ende welchen Anteil vom Steuerkuchen?

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Genau da wird es interessant. Denn bei vielen Debatten entsteht schnell der Eindruck, als würden einzelne Steuern den Staatshaushalt maßgeblich prägen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt aber etwas anderes. Die wirklich großen Brocken bei den Steuereinnahmen heißen vor allem Umsatzsteuer und Lohnsteuer.

Worum es bei diesen Steuereinnahmen genau geht

Bevor wir in die Zahlen einsteigen, ist eine Abgrenzung wichtig: Die genannten 861 Milliarden Euro Steuereinnahmen enthalten nicht die Gewerbesteuer und Grundsteuer. Diese beiden gehören zu den reinen Gemeindesteuern und kommen also noch oben drauf.

Für viele ist das erst einmal überraschend. Denn natürlich sind Grundsteuer und Gewerbesteuer im Alltag absolut reale Steuerbelastungen. Die Grundsteuer zahlt der Eigentümer an die Stadt oder Gemeinde. Die Gewerbesteuer betrifft Unternehmen und bleibt ebenfalls vor Ort.

Wenn man also über die Steuereinnahmen des Staates spricht, muss man sauber unterscheiden: Es gibt das große gesamtstaatliche Steueraufkommen und daneben Steuern, die direkt bei den Gemeinden verbleiben.

21 Steuerarten machen den größten Teil der Steuereinnahmen aus

Insgesamt verteilen sich diese Steuereinnahmen auf 21 Steuerarten. Schon das allein zeigt, wie kleinteilig das System aufgebaut ist. Aber wenn man die Zahlen sortiert, wird schnell klar: Die Bedeutung der einzelnen Steuerarten ist sehr unterschiedlich.

Einige Steuern werden politisch permanent diskutiert, spielen im Gesamtbild aber nur eine kleine Rolle. Andere sind fast schon unspektakulär, bringen aber jedes Jahr riesige Summen.

Die größten Quellen der Steuereinnahmen

1. Umsatzsteuer

Der größte Einzelposten bei den Steuereinnahmen ist die Umsatzsteuer. Sie bringt rund 302 Milliarden Euro ein und macht damit etwa 35,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus.

Das ist eine enorme Größenordnung. Jeder Einkauf, jede Rechnung, jede Leistung mit Umsatzsteuer zahlt auf diesen Betrag ein. Genau deshalb ist die Umsatzsteuer im Gesamtbild so mächtig.

2. Lohnsteuer

Direkt dahinter folgt die Lohnsteuer mit etwa 249 Milliarden Euro. Auch sie ist ein echter Schwergewichtsposten innerhalb der Steuereinnahmen.

Die Lohnsteuer betrifft einen sehr großen Teil der Bevölkerung unmittelbar. Und genau deshalb erklärt sich auch ihr gewaltiger Anteil am gesamten Aufkommen.

3. Veranlagte Einkommensteuer

Dazu kommt noch die veranlagte Einkommensteuer mit rund 74 Milliarden Euro. Hier geht es nicht nur um klassische Erwerbseinkommen, sondern etwa auch um Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung oder Renten.

Nimmt man Lohnsteuer und veranlagte Einkommensteuer zusammen, landet man zusammen mit der Umsatzsteuer bereits bei einem sehr großen Teil der gesamten Steuereinnahmen.

4. Körperschaftsteuer

Die Körperschaftsteuer, also vereinfacht gesagt die Ertragsteuer der Kapitalgesellschaften, liegt bei rund 39,8 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 4,6 Prozent der gesamten Steuereinnahmen.

Das ist genau der Punkt, an dem viele stutzen. Über Unternehmensbesteuerung wird intensiv gesprochen. Im Vergleich zu den ganz großen Massensteuern bleibt ihr Anteil am Gesamtaufkommen aber deutlich kleiner.

Nach den großen Brocken fällt das Steueraufkommen schnell ab

Nach Umsatzsteuer, Lohnsteuer, Einkommensteuer und Körperschaftsteuer wird die Kurve deutlich flacher. Dann kommen Steuerarten, die zwar sichtbar sind, im Verhältnis zum gesamten Steuerkuchen aber viel kleiner wirken.

  • Abgeltungsteuer auf Zinsen und Veräußerungsgewinne: etwa 2,2 Prozent
  • Versicherungsteuer: ebenfalls ein relevanter, aber oft übersehener Posten
  • Tabaksteuer: rund 15 Milliarden Euro oder 1,8 Prozent
  • Grunderwerbsteuer: etwa 1,5 Prozent
  • Solidaritätszuschlag: ebenfalls rund 1,5 Prozent
  • Erbschaftsteuer inklusive Schenkungsteuer: rund 10 Milliarden Euro oder 1,2 Prozent
  • Kraftfahrzeugsteuer: etwa 1,1 Prozent
  • Stromsteuer: etwa 0,4 Prozent
  • Luftverkehrsteuer: etwa 0,2 Prozent
  • Alkoholsteuer: etwa 0,2 Prozent
  • Biersteuer: rund 0,6 Milliarden Euro oder 0,1 Prozent

Warum manche Steuerdebatten größer wirken, als sie rechnerisch sind

Gerade bei den Steuereinnahmen fällt auf, wie stark öffentliche Diskussion und tatsächliche fiskalische Bedeutung auseinanderliegen können.

Über den Solidaritätszuschlag wird seit Jahren gestritten. Wer zahlt ihn noch, wer nicht, ist das verfassungsgemäß, müsste er komplett weg? Alles Fragen, die politisch und rechtlich spannend sind. Aber im Gesamtbild der Steuereinnahmen reden wir über rund 1,5 Prozent.

Ähnlich ist es bei der Erbschaftsteuer. Sie ist emotional aufgeladen, komplex in der Anwendung und mit erheblichem Verwaltungsaufwand verbunden. Es gibt spezialisierte Finanzämter, umfangreiche Erklärungspflichten, Meldepflichten durch Notare und teils sehr aufwendige Sachverhaltsermittlungen. Trotzdem liegt ihr Anteil an den gesamten Steuereinnahmen nur bei etwa 1,2 Prozent.

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Wenn aus Zahlen konkrete Fragen werden, hilft oft ein kurzer Draht mehr als die nächste Grundsatzdebatte.

Das heißt nicht, dass solche Steuern unwichtig wären. Es heißt nur: Wer über große Hebel bei den Steuereinnahmen spricht, muss vor allem auf die richtig großen Quellen schauen.

Die Grunderwerbsteuer ist kleiner, als viele denken

Auch die Grunderwerbsteuer ist ein gutes Beispiel. Sie steht regelmäßig in der Kritik, weil sie Immobilienkäufe verteuert und gerade beim Bauen oder beim Erwerb von Wohneigentum als Hürde empfunden wird.

Gemessen an den gesamten Steuereinnahmen liegt ihr Anteil aber nur bei etwa 1,5 Prozent. Genau daraus ergibt sich ein interessanter Gedanke: Wenn man in einem Bereich wie der Bauwirtschaft einen deutlichen Impuls setzen wollte, könnte eine Veränderung an dieser Stelle zwar relativ wenig vom Gesamtaufkommen betreffen, aber womöglich trotzdem spürbare wirtschaftliche Effekte auslösen.

Das ist keine fertige politische Forderung. Es zeigt nur, wie unterschiedlich die Wirkung einer Steuer und ihr Anteil an den gesamten Steuereinnahmen sein können.

Selbst kleine Steuerarten sagen etwas über das System

Am unteren Ende der Liste wird es fast schon skurril. Die Biersteuer bringt etwa 0,1 Prozent der gesamten Steuereinnahmen. Die Alkoholsteuer liegt bei rund 0,2 Prozent. Auch die Luftverkehrsteuer spielt im Gesamtvolumen nur eine kleine Rolle.

Gerade solche Zahlen helfen dabei, Debatten besser einzuordnen. Wenn eine Steuer politisch groß aufgeladen wird, heißt das noch lange nicht, dass sie für die gesamten Steuereinnahmen wirklich entscheidend ist.

Wer bekommt die Steuereinnahmen eigentlich?

Mindestens so spannend wie die Frage nach den Quellen ist die Verteilung. Denn die Steuereinnahmen landen nicht einfach komplett beim Bund.

Der Bund

Der Bund erhält rund 39,8 Prozent des Steueraufkommens. Das entspricht ungefähr 343 Milliarden Euro.

Das ist viel Geld, aber eben nicht alles. Gerade weil bundespolitische Debatten oft so dominant sind, wird leicht übersehen, dass ein erheblicher Teil der Steuereinnahmen an andere Ebenen fließt.

Die Länder

Die Länder erhalten rund 49,6 Prozent und damit ungefähr 427 Milliarden Euro. Das ist sogar mehr als der Bund bekommt.

Allein diese Zahl ist bemerkenswert. Denn sie zeigt: Wer über das deutsche Steuersystem spricht, darf die Länder nicht nur als nachgelagerte Empfänger betrachten. Sie sind ein zentraler Teil der Verteilung der Steuereinnahmen.

Die Gemeinden

Die Gemeinden kommen auf rund 6,9 Prozent oder etwa 60 Milliarden Euro. Dazu kommen, wie schon erwähnt, noch die Gewerbesteuer und Grundsteuer, die in den 861 Milliarden gar nicht enthalten sind.

Rechnet man das mit, wird klar: Länder und Gemeinden zusammen verfügen über einen sehr erheblichen Teil der öffentlichen Mittel.

Die EU

Zusätzlich gehen etwa 3,7 Prozent der Steuereinnahmen an die EU. Das sind rund 32 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich vor allem um Zölle und bestimmte Abgaben mit europäischem Bezug.

Was diese Verteilung der Steuereinnahmen deutlich macht

Wenn man die Verteilung nüchtern betrachtet, drängt sich ein Gedanke auf: Wer einen so großen Anteil der Steuereinnahmen erhält, sollte auch entsprechend mitsprechen können.

Das gilt besonders für Länder und Gemeinden. Denn wenn mehr als die Hälfte der Mittel am Ende nicht beim Bund verbleibt, dann ist die Diskussion über Geld, Zuständigkeiten und Entscheidungsrechte eben keine Nebensache. Sie gehört ins Zentrum.

Man kann das fast wie in einem großen Familiensystem betrachten. Wenn mehrere Beteiligte die Mittel bekommen oder mittragen, dann braucht es auch eine vernünftige Abstimmung darüber, wie mit diesen Mitteln umgegangen wird. Genau diese Perspektive wird bei Debatten über Steuereinnahmen oft zu wenig beachtet.

Warum die Umsatzsteuer auch europäisch immer wichtiger wird

Gerade bei der Umsatzsteuer zeigt sich noch etwas anderes: Steuerrecht ist längst nicht mehr nur national. Die Regeln werden immer stärker auf europäischer Ebene angeglichen.

Das macht die Sache in der Praxis teilweise übersichtlicher. Wer grenzüberschreitend arbeitet, merkt oft, dass man steuerlich über dieselben Grundstrukturen spricht, auch wenn unterschiedliche Sprachen verwendet werden. Gerade bei der Umsatzsteuer kann sich das überraschend vertraut anfühlen.

Auch das ist ein spannender Punkt im Zusammenhang mit den Steuereinnahmen: Die größte Steuerquelle des Staates ist gleichzeitig ein Bereich, in dem europäische Harmonisierung besonders sichtbar wird.

Das eigentliche Fazit zu den Steuereinnahmen

Die wichtigste Erkenntnis aus diesen Zahlen ist eigentlich ganz einfach: Man sollte hinschauen, bevor man bewertet.

Die Steuereinnahmen in Deutschland sind hoch, aber sie kommen nicht gleichmäßig aus allen Steuerarten. Der Löwenanteil stammt aus wenigen großen Quellen. Vor allem Umsatzsteuer, Lohnsteuer und Einkommensteuer dominieren das Bild.

Viele laut diskutierte Steuerarten sind dagegen im Verhältnis zum gesamten Aufkommen vergleichsweise klein. Das heißt nicht, dass sie unwichtig sind. Es heißt nur, dass ihre politische Aufmerksamkeit oft größer ist als ihr Anteil an den gesamten Steuereinnahmen.

Und bei der Verteilung zeigt sich: Der Bund ist längst nicht alleiniger Empfänger. Länder, Gemeinden und auch die EU sind wesentliche Teile dieses Systems.

Wer diese Zahlen kennt, kann Steuerdebatten sehr viel besser einordnen. Nicht mit Parolen, sondern mit einem Gefühl dafür, wo wirklich viel drinsteckt und wo eher wenig.

FAQ zu Steuereinnahmen in Deutschland

Wie hoch waren die Steuereinnahmen in Deutschland 2024?

Die Steuereinnahmen lagen 2024 bei rund 861 Milliarden Euro. Gewerbesteuer und Grundsteuer sind in dieser Summe nicht enthalten.

Welche Steuer bringt dem Staat am meisten Geld?

Die größte Einzelquelle der Steuereinnahmen ist die Umsatzsteuer mit rund 302 Milliarden Euro beziehungsweise etwa 35,1 Prozent des Gesamtaufkommens.

Wie wichtig sind Lohnsteuer und Einkommensteuer für die Steuereinnahmen?

Sehr wichtig. Die Lohnsteuer bringt rund 249 Milliarden Euro, die veranlagte Einkommensteuer rund 74 Milliarden Euro. Zusammen mit der Umsatzsteuer prägen sie den Großteil der gesamten Steuereinnahmen.

Wie groß ist der Anteil der Erbschaftsteuer an den Steuereinnahmen?

Die Erbschaftsteuer inklusive Schenkungsteuer macht nur etwa 1,2 Prozent der gesamten Steuereinnahmen aus. Das entspricht ungefähr 10 Milliarden Euro.

Wer bekommt die Steuereinnahmen in Deutschland?

Von den Steuereinnahmen gehen rund 39,8 Prozent an den Bund, 49,6 Prozent an die Länder, 6,9 Prozent an die Gemeinden und 3,7 Prozent an die EU.

Sind Gewerbesteuer und Grundsteuer in den 861 Milliarden enthalten?

Nein. Diese beiden Steuerarten gehören zu den reinen Gemeindesteuern und sind in den genannten Steuereinnahmen nicht enthalten.


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